Guddzje - Saarlands Straßenzeitung

Wenn der Hund der einzige verlässliche Partner des

Menschen ist...


Die Sozialarbeiterin Christel Kohls berichtet, warum das Projekt Sinn macht und letztendlich auch im öffentlichen Interesse ist.


So genannte Straßenhunde haben zwei große Vorteile gegenüber Wohnungshunden. Sie sind fast nie alleine, weil ihr Herrchen oder Frauchen ja meist nicht arbeiten gehen und deshalb viel Zeit haben. Der zweite Vorteil besteht in dem sozialen Verhalten im Rudel. Viele der Hunde sind täglich mit anderen Hunden zusammen und leben in dieser Hinsicht ausgesprochen artgerecht. Durch den fortdauernden Umgang mit anderen Hunden sind sie in der Lage, Konflikte schnell und ohne größere Beißereien zu lösen.

In allen sozialen Einrichtungen hat man mittlerweile erkannt, dass der Bezug zu Tieren eine entscheidende Rolle für das seelische und körperliche  Gleichgewicht des Menschen spielt, es trägt zu deren Stabilisierung erheblich bei. Vor allem wenn es um das Thema Isolation geht. Das trifft nicht nur für Alte und Kranke zu, sondern auch für Randgruppen der Gesellschaft. Das Bild wohnungsloser Menschen auf Straßen und Plätzen ist uns vertraut. Ebenso das Spielen und Tollen ihrer Hunde. Sie sind für diese Menschen der einzige Rückhalt in einem Leben, dessen Beziehungsnetze nicht funktionieren, das kaum Aussicht auf Beruf und Wohnung bietet und erst recht nicht auf zuverlässige menschliche Wärme. Das Tier hält das ein, was diese Menschen suchen und brauchen, nämlich Treue und Verbundenheit. Oft ist der Hund der einzige Bezugspunkt für die Menschen auf der Straße.

Was die Ernährung angeht, so haben die Hunde kaum Mangelerscheinungen. Probleme allerdings gibt es mit der tierärztlichen Versorgung. Nicht jeder geht umgehend zum Tierarzt, wenn gesundheitliche Probleme auftreten. Unwissen und die Kosten der Behandlung halten etliche Hundebesitzer davon ab, die Hunde impfen oder bei Erkrankung behandeln zu lassen. Nur wenige Hunde sind kastriert. Eine Hündin wird zweimal im Jahr läufig. Bei den vielen Kontakten mit anderen Hunden ist die Chance, dass sie trächtig wird, mehr als nur groß.

Eine frühe Kastration der Hunde in der Szene ist deshalb sinnvoll. Die meisten wohnungslosen Hundehalter haben in der Regel nicht genug Geld für eine medizinische Behandlung. In diesen Fällen sind sie gezwungen, sich das Geld auf der Straße zu erbetteln. Eine notwendige Behandlung der Tiere wird dadurch unnötig lange hinaus gezögert. Es kann vorkommen, dass durch eine verspätete Behandlung ernsthafte gesundheitliche Probleme für das Tier entstehen.

Daher entstand die Idee für das Projekt, dass die Kosten für eine medizinische Behandlung der Hunde übernimmt. Beim SOS-Jugenddienst in Saarbücken, eine Anlaufstelle für obdachlose Jungendliche und Junge erwachsene, bekommen die Hundehalter einen so genannten Berechtigungsschein den sie beim Tierarzt einreichen können. Dieser Berechtigungsschein enthält alle Daten über den Hund und den Hundehalter. Dadurch wird einem möglichen Missbrauch entgegengewirkt.

Das 1999 gegründete Projekt erhielt vom saarländischen Umweltministerium eine Starthilfe von rund 5000 Euro, wird jedoch seit 2000 ausschließlich von Spenden finanziert. Das Projekt hat sich inzwischen etabliert und die Nachfrage ist groß. Seit Projektbeginn wurden ca. 80 Hunde behandelt, ungefähr die Hälfte kastriert. Die Behandlungsgründe reichen von der Impfung bis zur Notoperation.

Die Initiatoren werten es als einen Riesenerfolg das dieses Projekt seit vielen Jahren mit Hilfe so vieler Tierfreunde am Leben ist und hoffen auf weitere Helfer, die das Projekt unterstützen.

Spendenkonto:

83144303
BLZ 59050101
Sparkasse Saarbücken